Warum du eine Arbeitnehmerveranlagung machen solltest

Wer am Ende des Monats seinen Lohn-oder Gehaltszettel vom Arbeitgeber überreicht bekommt, dem kommen angesichts der Abgaben fast die Tränen.

Fast jeder zweite Euro geht an Finanzamt und Sozialversicherung. Damit liegt Österreich im Spitzenfeld, was die Steuerlast für den Arbeitnehmer betrifft.

Wir könnten jetzt stundenlang darüber diskutieren, ob das ganze gerechtfertigt oder unfair ist. Das hilft uns aber nicht weiter und ändern können wir es auch nicht.

Also lass uns lieber über die Möglichkeiten reden, die jeder Einzelne hat, um sich Geld vom Finanzamt zurückzuholen.

Und das auf legale, einfache Art und Weise: Der Arbeitnehmerveranlagung.

Ich sehe, wie du mit den Augen rollst und sich deine Begeisterung in Grenzen hält. Wenn das der Fall ist, solltest du weiterlesen.

Denn die Arbeitnehmerveranlagung (kurz ANVA) oder auch „Steuerausgleich“, ist die einzige Möglichkeit, dir die zu viel bezahlte Lohnsteuer zurückzuholen. Also nicht jammern, sondern machen. Und glaub mir, für viele zahlt es sich richtig aus, sich die Zeit zu nehmen und die ANVA auszufüllen.

Warum machen so viele Leute keine Arbeitnehmerveranlagung?

Mir ist es ein Rätsel, warum so viele darauf verzichten, sich die zu viel bezahlte Steuer zurückzuholen.

Einerseits wird gejammert, dass wir in Österreich so hohe Steuern bezahlen, andererseits nehmen viele die Möglichkeit gar nicht war, sich ihr Geld zurückzuholen.

In meinem Umfeld habe ich folgende Ausreden gehört, warum sie keine ANVA machen:

Papierkram: Jaja, nur die Wenigsten von uns lieben den bürokratischen Aufwand. Anstatt sich zwei Stunden hinzusetzen und die nötigen Unterlagen zusammenzusuchen, verzichtet viele gleich darauf und suchen jede Woche stundenlang nach Schnäppchen und Angeboten, um sich ein paar Euro zu sparen.

Wer Ordnung in seinen Büro hält und das ganze Jahr über gleich alle relevanten Unterlagen in einem eigenen Ordner zusammensammelt, muss sich nur noch die Zeit nehmen, das ganze ins Formular oder online in Finanzonline einzutragen.

Faulheit: Schon des öfteren hab ich gehört, das zahlt sich doch gar nicht aus, für die paar Euro. Da ist mir meine Zeit zu schade. Ernsthaft?

Das sind dann auch die, die jammern, sie haben kein Geld. Auch kein Wunder, wenn ich es mir nicht wert bin, mir mein Geld zurückzuholen. Geld das ich verdient und zu viel bezahlt habe.

Gegen Faulheit ist kein Gras gewachsen. Nur soviel dazu: Nimm dein Geld ernst, bevor es wichtig wird.

Angst vor Fehlern: Ich kenne einige Leute in meinem Umfeld, die die ANVA nicht machen, weil sie Angst haben, sie könnten einen Fehler machen.

Ja, das Finanzamt ist wie eine Kracke, die nach unserem Geld greift, aber gefressen hat sie noch keinen von uns.

Wen dir die ANVA zu kompliziert ist, dann kannst du dir Hilfe holen, zum Beispiel bei der Arbeiterkammer, oder du gehst gleich direkt zum Finanzamt.

Lass dir einen Termin geben und schau dort mit deinen Unterlagen – sortiert und aufbereitet – vorbei. Die Leute am Finanzamt helfen dir gerne bei der ANVA.

Angst vor einer Nachzahlung: Manche glauben, dass sie jede Menge Steuern nachzahlen müssen. Ja es kann sein, dass du Steuern nachzahlen musst, was meist der Fall ist, wenn du mehrere Dienstverhältnisse hast. Und dann musst du sowieso eine Pflichtveranlagung machen.

Im Finanzonline hast du die Möglichkeit, eine Vorabrechnung zu machen. Wenn hier eine Nachzahlung herauskommt, reichst du die ANVA einfach nicht ein.

Sofern du also nicht der Pflichtveranlagung unterliegst, musst du bei einer Nachzahlung nicht zwingend eine ANVA abgeben. Das heißt, du gibst die ANVA nur dann ab, wenn eine Gutschrift rauskommt.

Gibst du die ANVA ab, obwohl eine Nachzahlung rauskommt, kannst du den Antrag innerhalb eines Monats wieder zurückziehen.

Zu kompliziert: Und zu guter Letzt, ist es ja viel zu kompliziert. Anstatt dich einmal damit auseinanderzusetzen und dir Hilfe zu holen, verzichtest du lieber jedes Jahr auf Geld, dass du dir mühsam verdient hast. Über die Jahre kann sich das ganz schön summieren.

Wer sich einmal hinsetzt und sich die Zeit nimmt um sich mit dem Formular auseinanderzusetzen, wird merken, dass es gar nicht so schwer ist. Und wenn du keinen Plan hast, hol dir Hilfe und frag beim Finanzamt nach.

All das sind nichts als faule Ausreden, die ich nicht gelten lasse. Und weil wir das mit den Ausreden geklärt haben, will ich dir noch kurz eine Geschichte erzählen, damit du weißt, warum du unbedingt eine ANVA machen solltest.

Vor zwei Jahren hat mich eine Freundin angesprochen, ob ich ihr nicht helfen könnte, die ANVA´s der letzten Jahre auszufüllen. Sie hatte eine Ausbildung gemacht, die sie selbst bezahlt hat. Die Kosten der Ausbildung konnte sie in der ANVA geltend machen.

Wir haben dann zusammen die letzten 5 Jahre nachgeholt und ausgefüllt. Mir war klar, dass sie einiges an Lohnsteuer zu viel bezahlt hat und dass eine Gutschrift rauskommt. Sie meinte nur, naja, wenn ich ein paar Euro zurückbekomme, freu ich mich auch schon.

Als sie am Ende für alle 5 Jahre fast 6.000 € zurückbekommen hat, fiel ihr fast die Kinnlade runter. Und das nur, weil sie zurückforderte, was ihr zusteht.

Sie hatte bis dahin nie eine ANVA abgegeben, was sie jetzt jedoch jedes Jahr macht.

Hier muss ich allerdings gleich dazusagen, dass dies natürlich ein sehr hoher Betrag war, was daran lag, dass sie eine langjährige, teure Ausbildung gemacht hat.

Aber auch, wenn du nur ein paar Euros zurückbekommst, macht es Sinn, sich die Mühe zu machen.

Na, überzeugt, dass du die ANVA machen solltest?

Was ist der Unterschied zwischen Lohnsteuer und Einkommensteuer?

Als Arbeitnehmer bekommst du Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit. Diese Einkünfte unterliegen der Lohnsteuer. Die Lohnsteuer ist eine spezielle Form der Einkommensteuer.

Der Unterschied zur Einkommensteuer besteht in der Erhebungsform. Für Arbeitnehmer wird die Lohnsteuer direkt vom Arbeitgeber abgezogen und an das Finanzamt abgeführt.

Alle Arbeiter, Angestellte und Pensionisten zahlen Lohnsteuer. Als Selbständiger hast du Einkünfte aus selbständiger Arbeit und unterliegst somit der Einkommensteuer.

Egal ob selbständig oder angestellt, du zahlst in beiden Fällen gleich viele Steuern. Die Steuer berechnet sich nach dem Einkommensteuertarif.

Das sind die aktuellen Einkommensteuer-Grenzen ab 2016:

  • Einkommen von 0 € bis 11.000 € – 0 % Steuer
  • Einkommen über 11.000 € bis 18.000 € – 25 % Steuer
  • Einkommen über 18.000 € bis 31.000 € – 35 % Steuer
  • Einkommen über 31.000 € bis 60.000 € – 42 % Steuer
  • Einkommen über 60.000 € bis 90.000 € – 48 % Steuer
  • Einkommen über 90.000 € bis 1.000.000 € – 50 % Steuer
  • Einkommen über 1.000.000 € – 55 % Steuer

Warum zahlst du zu viel Lohnsteuer?

Es gibt verschiedene Gründe, warum du während des Jahres zu viel Lohnsteuer bezahlst:

  • Unterschiedlich hohes Einkommen: Wenn du jeden Monat unterschiedlich viel verdienst, kann es sein, dass du in einem Monat in die Steuerklasse mit z.B. 36,5 % fällst. Im nächsten Monat verdienst du viel mehr und fällst in die Steuerklasse mit beispielsweise 43,2 %.
  • Jobwechsel: Ein anderer Grund kann sein, dass du den Job gewechselt hast. Verdienst du im neuen Job wesentlich mehr, kann es sein, dass du nun in eine andere Steuerklasse fällst, als im alten Job.
  • Nicht das ganze Jahr beschäftigt: Vielleicht hast du dein Studium beendet und im dadurch im selben Jahr nur einige Monate gearbeitet.
  • Geringverdiener: Vielleicht hast du auch so wenig verdient, dass du aufs Jahr gesehen, gar keine Lohnsteuer zahlen musst.  Wer keine Lohnsteuer zahlt, kann sich die Negativsteuer zurückholen.
  • Anspruch auf Absetzbeträge, Werbungskosten, Sonderausgaben: In der ANVA hast du die Möglichkeit bestimmte Ausgaben abzuschreiben z.B. Alleinverdienerabsetzbetrag, Weiterbildungen, Versicherungen, Mehrkindzuschlag, Unterhaltsabsetzbetrag, Kinderfreibetrag, Pendlerpauschale (sofern sie nicht am Lohnzettel berücksichtigt wird) etc.

Bei der ANVA wird dein Einkommen vom ganzen Jahr zusammengezählt und die Steuer neu berechnet. So kann es dann sein, dass du aufs Jahr gesehen in eine andere Steuerklasse fällst, als monatlich.

Alles was du zu viel an Steuern bezahlt hast, bekommst du dann wieder zurück.

Wie lange rückwirkend und wo kann ich die Arbeitnehmerveranlagung machen?

Du hast die Möglichkeit, deine Arbeitnehmerveranlagung für 5 Jahre rückwirkend zu machen. Bis Ende des Jahres 2017 kannst du somit noch die ANVA für das Jahr 2012 einreichen.

Am besten, einfachsten und schnellsten geht es online über Finanzonline. Online hast du auch die Möglichkeit, die Gutschrift oder Nachzahlung vorab zu berechnen.

Kommt eine Nachzahlung raus, schickst du das Formular einfach nicht ab.

Alternativ zu Finanzonline kannst du den Antrag auch offline machen. Die Formulare kannst du dir online ausdrucken oder beim zuständigen Finanzamt abholen.

Beachte: Du kannst die ANVA 5 Jahre rückwirkend machen, die Belege MUSST du aber 7 Jahre aufbewahren. 

Das Finanzamt hat die Möglichkeit, deine Belege 7 Jahre lang nachzufordern und deine ANVA auf die Richtigkeit deiner Angaben zu überprüfen. Vergiss also nicht, die Belege so lange aufzubewahren.

Leg dir am besten einen Ordner an, indem du alle Unterlagen für die ANVA nach Jahren sortiert, aufbewahrst.

Ich hoffe, dass ich dich mit diesem Beitrag überzeugen konnte, deine Arbeitnehmerveranlagung zu machen:-)

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