Selbständig machen als Blogger in Österreich: Alles rund ums Gewerbe

Blogger, die mit ihrem Blog Geld verdienen wollen, haben anfangs viele Fragen.

Ab wann muss ich ein Gewerbe anmelden? Welches Gewerbe muss ich anmelden? Wo muss ich das melden? Welche Kosten kommen auf mich zu? Und so weiter.

Um dir diese Fragen zu beantworten, hatte ich vor einiger Zeit einen Termin bei der Wirtschaftskammer Österreich (WKO).

Wenn du dich selbständig machen willst, führt dein erster Weg am besten dorthin.

Was ist die Wirtschaftskammer?

Die Wirtschafstkammer Österreich (WKO) ist eine gesetzliche Interessenvertretung für Unternehmer.

Sie unterstützt dich auf dem Weg vom Gründer zum Unternehmer und steht allen Gewerbetreibenden bei Fragen zum Unternehmertum zur Seite.

Dort wird auch geklärt, ob und wann du ein Gewerbe anmelden musst, welche Kosten auf dich zukommen und wie du bei der Gründung vorgehst.

Unterliegst du der Gewerbeordnung, besteht eine Pflichtmitgliedschaft bei der WKO sowie eine Versicherungspflicht nach dem Gewerblichen Sozialversicherungsgesetz (GSVG).

Für die Pflichtmitgliedschaft musst du eine jährliche Grundumlage zahlen. Das ist sozusagen der Mitgliedsbeitrag für die Unternehmer. Dieser ist je nach Branche unterschiedlich. Mehr dazu weiter unten.

Ab wann muss ich ein Gewerbe anmelden?

Die Gewerbeordnung regelt die Rechte und Pflichten der Gewerbeausübenden.

In der Gewerbeordnung steht, dass eine Gewerbsmäßigkeit vorliegt, wenn du eine Tätigkeit selbständig (=auf eigene Rechnung und Gefahr), regelmäßig (=in bestimmten Zeitabständen wiederholend, laufend) und mit der Absicht, einen Ertrag (= nicht kostenlos) oder sonstigen wirtschaftlichen Vorteil zu erzielen, gleichgültig für welche Zwecke dieser bestimmt ist, ausführst.

Was heißt das für mich als Blogger?

Du startest deinen Blog mit dem Hintergedanken, irgendwann mal Geld damit zu verdienen.

Obwohl du noch keine oder nur wenige Leser hast, baust du bereits Affiliate Links ein.

Die Affiliate Links nutzt du, um ein paar Euros zu verdienen.

Schon allein durch die Absicht, damit Geld zu verdienen, reicht, um ein Gewerbe anmelden zu müssen.

Unterliegen alle Berufe der Gewerbeordnung?

Nein, Es gibt auch Berufe, die von der Gewerbeordnung ausgenommen sind. Ausgenommen sind nur selbständige Berufe (Ärzte, Apotheker, Notare, Landwirte, usw.) und die „Neuen Selbständigen“ (Psycho- und Physiotherapeuten, Vortragende, Künstler, Journalisten, Schriftsteller, und noch einige andere).

Diese Berufe müssen somit kein Gewerbe anmelden. Wenn du als Blogger nur journalistische Tätigkeiten auf selbständiger Basis ausführst, musst du dies nur dem Finanzamt und der Sozialversicherung melden. Dazu mehr in einem eigenen Beitrag.

Was heißt das für mich als Blogger?

Wenn du eigene E-Books und Onlinekurse erstellst, fällst du unter die „Neuen Selbständigen“ (Autor bzw. Vortragender) und brauchst somit keine Gewerbeanmeldung.

Sobald du deinen Blog als Werbefläche Firmen zur Verfügung stellst, musst du ein Gewerbe anmelden.

Manchmal ist es nicht genau ersichtlich, ob du unter die Neuen Selbständigen oder in die Gewerbeordnung fällst.

Dann entscheidet das Finanzamt. Beispiel: Du schreibst einen Blogbeitrag, indem du eine Firma, mit der du eine Kooperation hast, erwähnst.

Hier ist nicht ganz klar, ob es unter Werbung fällt oder unter eine journalistische Tätigkeit. In solchen Fällen immer Rücksprache mit dem Finanzamt halten.

Welche Arten von Gewerbe gibt es?

Man unterscheidet vier Arten von Gewerbe.

  • Freie Gewerbe ohne Befähigungsnachweis, z.B. Werbeagentur
  • Reglementierte Gewerbe und Handwerke (hier ist ein Befähigungsnachweis erforderlich)z.B. Unternehmensberater
  • Reglementierte Gewerbe, die einer besonderen Bewilligungspflicht unterliegen (sogenannte Rechtskraftgewerbe) z.B. Baumeister
  • Teilgewerbe, für die eine reduzierte Form des Befähigungsnachweises gilt, z.B. Modellieren von Fingernägeln.

Welches Gewerbe muss ich anmelden?

Das kommt auf deine Tätigkeit drauf an. Als Blogger sind für dich folgende Gewerbearten (beides freie Gewerbe) interessant:

Ankündigungsunternehmen

Die Tätigkeit umfasst die Herstellung, die Errichtung und die Bewirtschaftung von Werbeflächen bzw. die Bereitstellung oder Vermietung von Werbeflächen.

Wenn du auf deinem Blog Banner hast, oder Affiliate Links einfügst, stellst du deinen Blog als Werbefläche zur Verfügung. Somit fällst du unter das Gewerbe „Ankündigungsunternehmen“.

Werbeagentur

Eine Werbeagentur berät, plant, gestaltet und lässt die Werbemittel produzieren.

Sie entwickelt ganze Werbekonzepte für Firmen.

Wenn du also deinen Blog dazu nutzt, um an Kooperationspartner zu kommen, für die du anschließend Konzepte für eine optimale Werbung (Flyer, Plakate,…) entwickelst, musst du eine Werbeagentur anmelden.

Es kann auch sein, dass du beide Gewerbearten anmelden musst, wenn du beide Gewerbearten ausübst.

Wenn du auch noch einen Online-Shop betreibst, kommt auch noch das Handelsgewerbe hinzu.

Was heißt das für mich als Blogger?

Schreibe dir deshalb alles auf, womit du Geld verdienen willst.

Oftmals ist es nicht eindeutig, in welches Gewerbe deine Tätigkeit fällt.

Welches Gewerbe auf dich zutrifft, musst du bei der WKO abklären.

Welche Kosten entstehen durch die Wirtschaftskammer?

Wie zu Beginn erwähnt, entsteht mit der Gewerbeanmeldung eine Pflichtmitgliedschaft bei der WKO.

Diese ist je nach Branche und Gewerbe unterschiedlich.

Was heißt das für mich als Blogger?

Die Gewerbearten Ankündigungsunternehmen und Werbeagentur fallen unter die Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation.

Wenn du jetzt ein Ankündigungsunternehmen anmeldest, musst du in NÖ jährlich eine Grundumlage von € 206,70 (Wert 2017) zahlen.

Meldest du als zweites Gewerbe die Werbeagentur an, zahlst du trotzdem nur die € 206,70, die beide Gewerbe in die gleiche Fachgruppe fallen.

Wenn du noch ein anderes Gewerbe anmeldest, dass in eine andere Fachgruppe fällt, musst du auch für diese eine Grundumlage zahlen.

Die Grundumlage ist je nach Bundesland und Branche unterschiedlich hoch. Es kann auch sein, dass du in manchen Fachgruppen für jede Berechtigung zahlen musst.

Welche sonstigen Gründungskosten entstehen durch die Gewerbeanmeldung?

Mit der Gewerbeordnungsnovelle 2017, die mit 17. Juli 2017 kundgemacht wurde, wurde beschlossen, dass künftig alle Gewerbeanmeldungen kostenlos sind.

Das heißt, es fallen keine Gebühren und Verwaltungsabgaben des Bundes mehr an.

Neben der Freistellung der Gebühren und Abgaben ist künftig auch die Ausstellung von Auszügen aus dem Gewerbeinformationssystem Austria (GISA) kostenlos.

Welche Voraussetzungen brauche ich für die Gewerbeberechtigung?

Vorraussetzungen für Einzelunternehmer:

  • Staatsangehörigkeit: Österreich, EWR-Vertragsstaaten, Schweiz; Andere Drittstaaten: Aufenthaltsberechtigung
  • Eigenberechtigung: 18 Jahre
  • Keine Gewerbeausschlussgründe z. B. Finanzstrafdelikte, gerichtliche Verurteilung.

Wo kann ich mein Gewerbe anmelden?

Die Gewerbeberechtigung wird von der zuständigen Bezirkshauptmannschaft, vom Magistrat oder (in Wien) vom magistratischen Bezirksamt ausgestellt.

Seit 31.Juli 2017 kannst du die Gewerbeanmeldung auch online  machen.

Welche Unterlagen brauche ich für die Gewerbeanmeldung?

  • Geburtsurkunde
  • Staatsbürgerschaftsnachweis oder Reisepass
  • Meldebestätigung
  • Urkundlicher Nachweis akademischer Grade
  • Erklärung betreffend Gewerbeausschlussgründen
  • Bei Namensänderung: Heiratsurkunde oder Bescheid über die Namensänderung

Ab wann kann ich mein Gewerbe ausüben?

Sobald alle Voraussetzungen erfüllt sind und alle notwendigen Unterlagen beigefügt sind, ist die Gewerbeanmeldung rechtswirksam. Du kannst dein Gewerbe ab dem Tag der Anmeldung ausüben.

Deine Anmeldung in das Gewerberegister erfolgt innerhalb von drei Monaten, sofern keine Unterlagen fehlen und alles bei der Behörde eingelangt ist.

Du bekommst dann einen Auszug aus dem Gewerberegister per Post zugesandt.

Wer hilft mir bei der Gewerbeanmeldung?

Wenn du dir nicht sicher bist, wie, wann und wo du dein Gewerbe anmelden musst, hol dir Hilfe bei der Wirtschaftskammer in deiner Nähe.

Neben einer umfassenden Beratung helfen sie dir auch kostenlos bei der Gewerbeanmeldung.

Sie helfen dir beim Ausfüllen der Formulare und übermitteln alle nötigen Unterlagen an die zuständige Behörde.

Was ist mit dem Finanzamt und der SVA?

Innerhalb eines Monats musst du deine Selbständigkeit beim Finanzamt und bei der Sozialversicherung melden.

Mehr dazu in den nächsten Beiträgen.

 

Alle Informationen wurden sorgfältig zusammengetragen und nach besten Wissen aufbereitet. Trotzdem garantiere ich nicht für die Vollständigkeit und Aktualität. Sollte dir irgendein Fehler auffallen, lass es mich bitte wissen.

2 Kommentare zu „Selbständig machen als Blogger in Österreich: Alles rund ums Gewerbe“

  1. Vielen lieben Dank für diesen Überblick!! Ich bin durch Zufall – hab mich so durchs Netz gegoogelt – auf deinen Beitrag gestoßen. Ich kenne mich im Bereich Selbstständigkeit kaum bis gar nicht aus, habe aber sehr wohl Interesse daran, meinen Blog vielleicht auch einmal gewerblich zu nutzen. Wirklich gute Infos von anderen Bloggern bekommt man leider nur sehr sporadisch … da kommt mir dein Beitrag wirklich außerordentlich gelegen. :-)
    Vielen Dank dafür!
    Alles Liebe, Sandra

    1. Hallo Sandra,
      danke für deinen Kommentar. Da ich selbst gerade auf dem Weg in die Selbständigkeit bin und viele Infos zusammentrage, gebe ich diese gerne weiter. Auch, weil ich selbst viel gesucht und nichts gefunden habe. Weitere Beiträge folgen noch, gerade zum Thema Sozialversicherung und Steuern. Ich finde es wichtig, dass man sich vorher genau informiert, welche Kosten entstehen und was man beachten muss. So spart man sich böse Überraschungen. Es freut mich immer wieder, wenn ich mit meinen Beiträgen weiterhelfen kann:-)
      Herzliche Grüße
      Manuela Mayr

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