Von der Pleite Queen zur Moneten Queen: Interview mit Jule

Heute stelle ich dir Jule von monetenqueen.de vor. Jule war mal ne richtige Shopping Queen.

Sie liebte es, shoppen zu gehen – bis sie pleite war. Nachem sie kein Geld mehr hatte, krempelte sie ihr Leben komplett um.

Warum sie heute ihre Finanzen im Griff hat und was ihr Sohn damit zu tun hat, liest du im folgenden Interview.

Hallo Jule, stelle dich kurz den Leserinnen vor.

Hallo Manuela, vielen Dank für deine Einladung zum Interview.

Kurz zu mir: Ich bin Jule, 34 Jahre und habe Mann und Kind. Neben meiner regulären Arbeit im Vertrieb eines kleinen Softwareunternehmens, tobe ich mich auf meinem Blog MonetenQueen aus.

Hier geht es regelmäßig ums Thema „bewusster Umgang mit Geld“.

Wie bist du auf das Thema Finanzen gekommen und wie sah deine finanzielle Situation bis dahin aus?

Ich bin tatsächlich durch die eigene schmerzliche Erfahrung mit meinen Finanzen zu diesem Blog gekommen.

Vor dem Start des Blogs sah meine Finanzlage so aus: Ich habe, bis auf einen kleinen Sparbetrag, mein gesamtes Gehalt ausgegeben.

Es war für mich normal, dass spätestens am Monatsende kein Geld mehr auf meinem Konto war.

Meist habe ich auch noch den Sparbetrag, den ich am Monatsanfang aufs Tagesgeldkonto überwiesen habe, zurücküberwiesen und ausgegeben.

Meinen Höhepunkt erreichte ich in der Elternzeit. Ich hatte immer das Gefühl, mich für meine „schwere Arbeit“ als Neu-Mutti jeden Samstag mit einer Shoppingtour belohnen zu müssen.

Und so kam es, dass ich eines Tages (genauer gesagt der 13. Februar 2016) völlig pleite war.

Als ich das nun schwarz auf weiß sah, stiegen mir fast die Tränen in die Augen. Ich war verzweifelt.

Doch ein Blick neben mich gab mir einen Stich ins Herz.

Da lag mein 6 Monate alter Sohn schlafend neben mir. Was war ich für ein Vorbild? Ich musste etwas ändern, so schnell wie möglich.

Du hast den Finanzblog MonetenQueen gestartet. Wie bist du auf die Idee gekommen, einen eigenen Finanzblog zu starten und um welche Themen geht es auf deinem Blog?

Ich begann mich mehr und mehr mit dem Thema persönliche Finanzen auseinander zu setzen.

Ich fand es schade, meine Erfahrungen und mein neues Wissen für mich zu behalten. Da ich schon immer gerne Blogs gelesen habe, beschloss ich, meine Erfahrungen in einem Blog niederzuschreiben.

Mit meinem Blog hab ich aber noch ein anderes Ziel. Ich möchte meinen Lesern konkrete Tipps und Hilfsmittel geben, dass diese auch gleich starten können. Deswegen gibt es bei vielen meiner Blogbeiträge auch ein Worksheet.

Nichts ist schlimmer, als wenn du, begeistert von einem Blogbeitrag, endlich loslegen willst, aber nicht weißt wie.

Mit meinem Blog will ich vor allem Frauen ansprechen, denn ich denke, dass es vielen Frauen so wie mir geht.

Ich möchte mit dem Vorurteil aufräumen, dass das Thema „persönliche Finanzen“ Männersache ist.

Männer sind trotzdem herzlich willkommen auf meinem Blog und leisten auch mit ihren Kommentaren einen wertvollen Beitrag.

Ich möchte mit diesem Blog meinen Leserinnen Tipps geben, wie sie ihre persönlichen Finanzen in den Griff bekommen und einen bewussten Umgang mit und zu Geld entwickeln.

Es geht auch ums Sparen, Geld verdienen und Geld investieren. Das Thema Konsum spielt in meinem Blog auch eine große Rolle, kein Wunder nach meinen Shopping-Eskapaden.

Viele Mütter und auch Ehefrauen verlassen sich beim Thema Finanzen auf den Partner. Du bist selbst Mutter, wie sieht die Situation bei euch aus? Wie regelt ihr eure Finanzen? Wie teilt ihr Haushalt/Kindererziehung auf?

Ich habe mich im Thema Finanzen auch auf meinen Mann verlassen, weil ich eben auch dachte: Finanzen ist Männersache.

Es war auch aus Bequemlichkeit, da musste ich mich nicht näher mit dem Thema beschäftigen. Problem war nur, dass auch mein Mann nur ein gefährliches Halbwissen hatte. Wenn ich daran zurück denke, wird mir ganz schwindelig.

Da fällt mir gleich wieder diese prägende Geschichte ein: Kurz nach der Geburt unseres Sohnes stand ein guter Bekannter, der als „Finanzberater“ arbeitet, vor unserer Tür.

Er wollte uns einen Bausparvertrag für unseren Sohn „aufschwatzen“. Und wir? Wir haben blindlings unterschrieben, ohne nachzudenken.

Natürlich war es unsere eigene Schuld. Niemand hat uns gezwungen.

Ich war mit der Situation „Bausparvertrag“ völlig überfordert und hatte nur „den kleinen neuen Menschen“ im Kopf und meinem Mann ging es ähnlich. Ich hatte nachher das Gefühl, unser Bekannter hat die Situation ausgenutzt.

Es war ein Schlüsselerlebnis, das ich nie wieder erleben will. Und das ist auch einer der Gründe, meine Finanzen selbst in die Hand zu nehmen und mich nicht blind auf einen „Finanzberater“ zu verlassen.

Denn der will ja eigentlich auch nur verkaufen. Heute wissen wir es besser. Zum Glück.

Wir fingen an, nach dem „Bauspar-Erlebnis“ und meiner Pleite vermehrt über unsere Finanzen zu sprechen.

Das war am Anfang gar nicht so einfach, gerade beim Thema „Wie spreche ich mit meinem Partner übers Geld“.

Wir tasteten uns langsam ran. Wir sprechen nun viel mehr und offener über Geld und streiten uns eigentlich nicht mehr über dieses Thema.

Unsere Beziehung ist harmonischer geworden.

Finanzen, Haushalt und Kindererziehung teilen wir gerecht auf. Da hab ich Glück mit meinem Mann.

Da sind wir uns einig. Und wenn sich doch mal einer ungerecht behandelt fühlt, sprechen wir darüber und schaffen das Problem schnell aus der Welt.

Offene, vertrauensvolle Kommunikation ist bei uns der Schlüssel zum Glück.

Auch heute ist es oftmals so, dass die Frau bei den Kindern zu Hause bleibt. Der Mann bringt das Geld nach Hause und macht Karriere. Als Frau verzichtet man auf Karriere und zahlt auch weniger in das Pensions-/Rentensystem ein. Im Alter sind es dann die Frauen, die von Altersarmut betroffen sind.  Wie sorgst du vor?

Ich bin nicht der Ansicht, als Mutter auf meine Karriere verzichten zu müssen. Aber das ist ein anderes Thema.

Durch mein Studium zahle ich auch noch nicht so lange in die Rentenkasse ein. Mir war schon direkt nach dem Studium klar, dass ich da persönlich noch mehr machen muss.

Damals schloss ich einen Riester Vertrag ab. Seit ich mich vermehrt mit dem Thema beschäftige, habe ich einen ETF-Sparplan angelegt, bei dem ich monatlich automatisch Anteile eines bestimmten ETF‘s kaufe.

Das macht mir richtig Spaß. Ich sehe, wie mein eingezahltes Geld wächst und wächst.

Das sehe ich beim Riestern leider nicht, hier fehlt mir schlichtweg die Kontrolle und Transparenz.

Ich möchte mich im Alter auf keinen Fall auf den Staat oder auf meinen Mann verlassen müssen. Und das rate ich auch jeder Frau: „Legt was fürs Alter zurück Mädels, auch wenn’s noch lange hin ist.“

Du schreibst auf deinem Blog, dass du gerne Shoppen gegangen bist und pleite warst. Viele Frauen in solchen Situationen stecken den Kopf in den Sand. Du hast nicht weggesehen, sondern gehandelt. Wie hast du angefangen, deine Finanzen in Ordnung zu bringen und was hast du an deiner finanziellen Situation verändert?

Erst einmal hab ich versucht herauszufinden, wo mein Geld so hin geht. Das hieß, Kontoauszüge scannen, Kassazettel sammeln.

Auch eine Finanz App half mir dabei. Hier habe ich all meine Ausgaben und Einnahmen eingetragen, sobald sie entstanden sind.

Dann schaute ich mir genauer an, wofür ich mein Geld ausgab und versuchte, mein Verhalten entsprechend anzupassen.

Ich verordnete mir eine Shoppingdiät, wo ich mich zwang, nur noch das Nötigste einzukaufen. Damit bekam ich ein besseres Gespür dafür, was ich eigentlich wirklich brauchte.

Mein Kaufverhalten hat sich seit dem sehr verändert. Ich kaufe nicht mehr aus Frust oder um mich für einen harten Tag zu belohnen.

Ich kaufe viel gezielter ein und lasse mich weniger von Angeboten ablenken.

Hast du als Shoopingqueen auch Konsumschulden gemacht? Wie stehst du zu dem Thema Konsumschulden? Drama oder halb so wild?

Wir haben damals unseren Laptop, Fernseher und auch unser Auto finanziert. Es war bequem und es wird uns heutzutage mit der 0 % Finanzierung leicht gemacht.

Das Auto zahlen wir heute noch ab, haben aber schon eine Sondertilgung gemacht, damit wir schneller wieder schuldenfrei sind.

Ich bin mittlerweile der Ansicht, dass man sich nur das kaufen sollte, was man sich leisten kann.

Durch die 0 % Finanzierung verlernen wir das Sparen, die Disziplin auch mal zu warten. Heutzutage bekommen wir immer gleich alles und sofort.

Ich halte das für sehr riskant, weil man schnell den Überblick verliert und schneller Schulden macht, als man denkt.

Früher habe ich die 0 % Finanzierung auch gar nicht als „Schulden“ in dem Sinne gesehen. Heute sehe ich das anders und ich bin dagegen.

Oft trifft man eine Kaufentscheidung eher spontan und meist „aus einer Laune raus“. Am nächsten Tag bereut man den Kauf vielleicht schon.

Eine Freundin von mir geht so vor: wenn sie sich unbedingt etwas ganz bestimmtes kaufen will, schreibt sie es auf, oder legt es in den Online Warenkorb.

Dort lässt sie es erst einmal 30 Tage liegen, ohne es zu kaufen. Nach 30Tagen stellt sie sich nochmal die Frage, ob sie es wirklich kaufen will.

Meist will sie es dann gar nicht mehr. Diese Taktik finde ich super und wende sie selbst an.

Ich stell mir auch immer die Frage nach meinem Kaufmotiv: Warum will ich das denn unbedingt haben?

Meist fällt mir dann der Spruch von Dave Ramsey, einem amerikanischen Finanzguru ein: „Wir kaufen Dinge, die wir nicht brauchen, von dem Geld, was wir nicht haben, um Menschen zu beeindrucken, die wir nicht mögen.“

Das war bei mir oft der Fall. Im Endeffekt wollte ich den Menschen um mich herum gefallen und sie beeindrucken.

Bist du der Meinung, dass sich Mütter zu wenig mit den eigenen Finanzen auseinandersetzen und warum?

Ja, aber nicht nur Mütter, ich denke Frauen generell. Eigentlich wir alle, ob Mann oder Frau.

Wir verlassen uns alle noch zu sehr auf die staatliche Rente und maximal unseren Finanzberater. Und dabei ist es das wichtigste Thema in unserem Leben. Denn ohne Geld geht nichts.

Auch wenn Liebe und Familie wichtig sind, zahlt Geld letztendlich unsere Miete und füllt unseren Kühlschrank.

Was sind deine 5 besten Finanztipps, damit eine Beziehung/Ehe nicht am Thema Geld scheitert?

  1. Fangt an, über Geld zu sprechen
  2. Legt eure Finanzen offen. Das ist eine Vertrauenssache, wie viel man preisgibt, muss jeder selbst entscheiden. Ihr nähert euch Stück für Stück an.
  3. Setzt euch finanzielle gemeinsame Ziele, z. B. „Wir wollen 2.000 € für den Urlaub bis 31.12.2018 sparen“, „Wir wollen 3.000 € Notgroschen bis 31.12.2020 ansparen.“
  4. Setzt euch Regeltermine, um über euer Geld zu sprechen und eure Ziele nicht aus den Augen zu verlieren.
  5. Legt euch klare finanzielle Regeln fest. „Jeder bezahlt so und so viel für das und das.“ Sprecht Ausgaben zusammen ab. So vermeidet ihr Missverständnisse wie „Ich dachte, du zahlst.“

Nochmal zu dir: Wie sieht deine Planung für die Zukunft aus? Welche finanziellen Ziele hast du und wie geht es mit deinem Blog weiter?

Ich möchte mich auf jeden Fall noch mit verschiedenen Möglichkeiten beschäftigen, mehr aus meinem Geld zu machen, also es zu investieren und weniger auszugeben.

Die frugale Lebensweise finde ich hierbei sehr spannend.

Ich möchte auch in Zukunft mit meinen Artikeln dazu beitragen, das wir lernen, bewusster mit unserem Geld umzugehen und unsere Finanzen entspannt selbst in die Hand nehmen zu können.

Es tut sich zur Zeit wahnsinnig viel in meinem Leben. Ich lerne so viele tolle Menschen kennen und arbeite an vielen neuen Projekten und Themen rund um den Blog.

Alles noch nicht spruchreif, es bleibt aber auf jeden Fall spannend bei MonetenQueen. Ein Ende ist nicht abzusehen.

Liebe Jule, herzlichen Dank für das Interview. Ich wünsche dir, deiner Familie alles Gute und für dein Online Business weiterhin viel Erfolg.

Vielen Dank für das Interview, hat mir sehr viel Spaß gemacht. Auch dir wünsche ich viel Erfolg bei deinem Online Business.

2 Comments on “Von der Pleite Queen zur Moneten Queen: Interview mit Jule”

  1. Hallo Ihr Beiden,

    tolles Interview :-)

    Besonders die fünf Tipps für Paare können wir so absolut unterschreiben und thematisieren diese immer wieder auf unserem Blog.

    Ich finde es echt toll, dass mit Euch beiden inzwischen zwei absolut authentische und sympathische junge Frauen die Finanzbloggerlandschaft bereichern! Vielleicht treffen wir uns ja irgendwann mal bei einem Bloggertreffen – würde mich sehr freuen, wenn wir dort irgendwann ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis hinkriegen :-)

    Liebe Grüße & ein schönes Wochenende
    Marielle

    1. Hallo Marielle,
      vielen Dank für deine netten Worte.

      Ja, die Tipps sollte sich jedes Paar zu Herzen nehmen. Gerade Gespräche übers Geld können viele Probleme aus der Welt schaffen. Denn oftmals geht es ja ums Geld, und trotzdem wird über das Thema in Beziehungen so wenig gesprochen.
      Das würde mich sehr freuen, wenn wir uns mal bei einem Bloggertreffen sehen. :-)

      Schöne Grüße

      Manuela

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