Wie du bewusster konsumierst und dabei Geld sparst – Interview mit der Groschenzählerin Birgit

Heute ist Birgit, vom Blog Groschenzählerin, bei mir zu Gast.

Sie kommt, so wie ich, aus dem schönen Niederösterreich.

Birgit beschäftigt sich vor allem mit den Themen Sparen und  bewusster Konsum.

Außerdem verrät sie im Beitrag ihre Top 5 Spartipps.

Hallo Birgit, stell dich kurz den Leserinnen vor.

Ich bin 42 und lebe in Mödling, südlich von Wien, wo ich einen Single-Haushalt führe und als Bloggerin meiner Leidenschaft fürs Schreiben fröne.

Seit 2016 betreibst du den Blog Groschenzählerin. Wie bist du auf die Idee gekommen, über Geld zu bloggen und über welche Themen schreibst du?

Meinen ersten Blog The Book Garden habe ich bereits 2010 gestartet und wie der Name bereits verrät, dreht sich dort alles rund um das Thema Buch.

Parallel dazu hat mich 2011 eine Freundin dazu breitgeschlagen, gemeinsam mit ihr auf Shopping-Diät zu gehen.

Während sie nach ein paar Monaten das Handtuch schmiss, hat der Kaufverzicht bei mir Schritt für Schritt zu einem Umdenken geführt.

Ich habe bereits damals begonnen, Sachbücher zum Thema zu lesen und mich mit meinem eigenen Konsumverhalten näher auseinanderzusetzen.

Es hat am Ende zwar etwas gedauert, aber schließlich wollte ich meine Ein- und Ansichten auch mit anderen teilen und ein Bewusstsein für vernünftigen Umgang mit Geld schaffen.

Die Groschenzählerin war dann die logische Konsequenz.

Bei dir geht es hauptsächlich ums Sparen und bewussten Konsum. Wie denkst du über die Konsumgesellschaft? Macht (dich) Geld glücklich?

In unserer Gesellschaft geht es großteils nur ums mehr haben wollen.

Die Frage, ob man etwas braucht bzw. verwenden wird, ist dabei zweitrangig.

So liegt der Nutzen oft nicht im gekauften Objekt selbst, sondern darin sich vom Alltagsstress abzulenken oder den eigenen Status aufzuwerten.

Die Euphorie eines solchen „Besitzens“ ist aber meist von kurzer Dauer, was wenig verwunderlich ist, wenn man bedenkt, wie wenig einem solche Dinge „geben“.

Setzt man sich damit auseinander und wird sich über diese Mechanismen klar, kann man diesen Kreis durchbrechen und lernen, bewusster zu konsumieren.

Angenehmer Nebeneffekt? Man spart dadurch natürlich auch einiges an Geld, das man zuvor unnötig ausgegeben hat und lernt neue Wertschätzung für Dinge, die man bereits besitzt.

Es mag zwar heißen, Geld macht nicht glücklich, aber wenn man es gegen die richtigen Dinge eintauscht, kann es das absolut.

Sparen nur um des Sparens Willen, ist für mich genauso unsinnig, wie Geld ausgeben, nur um des Besitzens Willen.

Leiste ich mir hingegen das neue Buch meines Lieblingsautors oder eine tolle Reise, dann bereitet mir dies Freude und versetzt mich auch im Nachhinein, wenn ich anderen von dem spannenden Roman erzähle oder an meine Reiseerlebnisse zurückdenke, in gute Stimmung.

Dies ist mir jeden Euro wert!

Welchen Bezug hast du zu Geld? Wie gehst du mit Geld um?

Ich bin eigentlich schon von jeher sehr sorgsam mit meinem Geld umgegangen, was durchaus daran liegen mag, dass es in meiner Kindheit durch den Hausbau meiner Eltern oft recht knapp war.

Natürlich musste ich keinen Hunger leiden, aber wenn ich etwas außertourliches haben wollte, musste ich darauf hinsparen.

So habe ich schon als Kind den Wert des Geldes zu schätzen gelernt und es nie unüberlegt für etwas ausgegeben.

Erst als ich nach meinem Studium meinen ersten richtigen Vollzeitjob hatte, begann ich in die Schnäppchenfalle zu tappen und habe häufig den Verlockungen in den Geschäften nachgegeben.

Über meine Verhältnisse hab ich dabei zwar nie gelebt, aber es haben sich unterm Strich einfach wahnsinnig viele unnötige Dinge angesammelt, die dann ein nutzloses Dasein in den Untiefen meiner Schränke und Schubladen fristeten.

Bis zu der bereits erwähnten Shopping-Diät.

Unterm Strich bedeutet Geld für mich Freiheit genauso wie Verantwortung, wobei ich dies weder positiv noch negativ werte, sondern in einer neutralen Mitte sehe.

In Österreich sind immer mehr Frauen von Altersarmut betroffen. Sorgst du privat vor und wie siehst du das Thema? Was könnte man dagegen tun?

Offen gesagt sehe ich nicht nur bei Frauen die Problematik der Altersarmut.

Es fängt schon damit an, dass die „fetten Jahre“ schlicht vorüber sind, wenn man das Thema Pensionen betrachtet.

Zwischen einem Durchrechnungszeitraum der 15 besten Jahre, die für alle vor 1955 geborenen Personen gelten, und dem neuen Pensionskonto liegen nämlich Welten, die nicht nur Individuen sondern am Ende auch die Politik vor gewaltige Probleme stellen wird.

Während in letzter Zeit viel über das Grundeinkommen gesprochen wurde, halte ich eine Diskussion oder besser noch eine Umsetzung einer Grundpension, die man zusätzlich zur regulären Pension erhält, für einen guten ersten Schritt, um Altersarmut entgegenzuwirken.

Darüber hinaus muss sich jede im Klaren sein, wie wichtig es ist, auch selbst so weit wie möglich, vorzusorgen.

Ich habe bereits Mitte 20 eine Lebensversicherung abgeschlossen, die ich mir im Alter als kleine Zusatzpension auszahlen lassen werde.

Beschäftigst du dich auch mit dem Investieren? Wenn ja, in welche Produkte investierst du?

Bislang habe ich mich noch nicht intensiv genug damit auseinandergesetzt, um es tatsächlich zu tun.

Beim Sparen bin ich eher konservativ eingestellt, d.h. alles was über einen Bausparvertrag hinausgeht und mit irgendeinem Risiko verbunden ist, schreckt mich ab.

Nachdem ich in letzter Zeit viel über ETF´s gehört habe, werde ich zumindest einmal darüber recherchieren und mich schlau machen, ob es etwas für mich sein könnte oder nicht.

Wie siehst du das Thema Geld und Frau: Findest du das Frauen anders mit Geld umgehen als Männer und warum?

Ehrlich gesagt kann ich in meinem Umfeld keine geschlechterspezifischen Unterschiede feststellen.

Da gibt es sowohl Frauen als auch Männer, die bewusst mit ihrem Geld umgehen, als auch jene, die damit wie Konfetti rumschmeissen.

Kleines Detail am Rande: das gute alte Haushaltsbuch erfreut sich dabei bei beiden Geschlechtern begrüßenswerter Beliebtheit.

Nochmal zu dir: Was möchtest du mit deinem Blog erreichen und was hast du in Zukunft geplant?

Ich möchte andere zu einem bewussteren Umgang mit Geld, genauso wie mit anderen Ressourcen anregen.

Man kann schließlich nicht nur Geld, sondern auch konkrete Dinge sinnlos verschwenden, z. B. Lebensmittel.

Das „Wegwerf“ aus der Gesellschaft zu bringen und ein nachhaltigeres Denken und Handeln zu schaffen, ist sicherlich kein leichtes Unterfangen, aber wir sollten die bereits selbstverständlich gewordene Verschwendung und ihre globale Auswirkung nicht den nächsten Generationen vermachen.

Zukunftspläne? Konkret ist es zwar noch nicht, aber mir geistert seit einiger Zeit die Idee für ein Sachbuch zum Thema Geld durch den Kopf.

Was sind deine Top 5 Spartipps, die du den Leserinnen mitgeben möchtest?

  1. Übe dich in alternativem Konsum, indem du Dinge leihst, tauscht oder diese teilst.
  2. Brauche auf, was du schon besitzt, bevor du dir Neues kaufst.
  3. Mache Dinge selbst, anstatt (aus Bequemlichkeit) andere dafür zu bezahlen.
  4. Sieh Reparatur und Upcycling als Option und Entsorgung als letzte Alternative.
  5. Verkaufe Dinge, die du nicht (mehr) benötigst oder benutzt.

Birgit, vielen Dank für das Interview. Weiterhin viel Erfolg mit deinem Blog!

Herzlichen Dank, dass ich heute bei dir zu Gast sein durfte und vor allem für deine wirklich spannenden Fragen! Ich wünsche dir ebenfalls viel Erfolg mit deinem Blog!

2 Comments on “Wie du bewusster konsumierst und dabei Geld sparst – Interview mit der Groschenzählerin Birgit”

  1. Hey Manuela,

    Dein Interview ist eine schöne Abwechslung.

    „In unserer Gesellschaft geht es großteils nur ums mehr haben wollen.“

    Mit dieser Aussage von Birgit hat sie meiner Meinung nach einen wichtigen Punkt angesprochen. Bewusstes Konsumieren sollten sich viel mehr Menschen zu herzen nehmen.

    Das führen eines Haushaltsbuches finde ich durchaus eine gute Sache um den Überblick über seine Finanzen zu behalten.

    Beste Grüße und ruhigen Dienst ;)

    Danny

    1. Hallo Danny,
      die Interviews sollen verschiedene Sichtweisen zeigen und sind dadurch wie du sagst, eine schöne Abwechslung.

      Ich gebe Birgit und dir vollkommen Recht beim Thema bewusster Konsum. Durch meine Erziehung fällt es mir beispielsweise ziemlich leicht, auf etwas zu verzichten, worüber ich sehr froh bin. Obwohl Minimalismus in letzter Zeit zum „Trend“ geworden ist, merkt man nicht viel davon wenn man sich in den Einkaufscentern umschaut. Beim Thema bewusster Konsum ist noch sehr viel Luft nach oben.

      Beste Grüße

      Manuela

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