Crowdinvesting in Österreich: Was ist das und wie funktioniert es?

Start Ups und Unternehmen haben oft gute Ideen. Für die Umsetzung, Planung, Marketing oder auch Produkterstellung benötigen sie jede Menge Kapital.

Und dieses holen sie sich immer öfter über Crowdinvesting. Mit dem Thema Crowdinvesting habe ich mich in letzter Zeit intensiv beschäftigt.

Daraus ist eine kleine Artikelreihe entstanden. Was Crowdinvesting ist und wie es funktioniert, erkläre ich dir in diesem Beitrag.

Crowdfunding oder Crowdinvesting?

Obwohl man grundsätzlich von Crowdfunding spricht, muss man zwischen Crowdinvesting und Crowdfunding unterscheiden.

Beide Begriffe haben die gemeinsame Grundidee, dass viele Menschen durch kleinere Beträge Unternehmen oder Projekte finanzieren.

Beim Crowdfunding spendest du dein Geld und erhält dafür als Dankeschön zum Beispiel ein fertiges Produkt (Produktvorfinanzierung).

Im Gegensatz zum Crowdfunding spendest du beim Crowdinvesting kein Geld, sondern du investierst es.

Für deine Investition erhältst du eine Rendite. Des Weiteren unterliegt das Crowdinvesting gesetzlichen Rahmenbedingungen.

In Österreich gibt es dazu das Alternativfinanzierungsgesetz, in Deutschland das Kleinanlegerschutzgesetz.

Was ist Crowdinvesting?

Crowdinvesting heißt soviel wie Schwarmfinanzierung. Viele Geldgeber („Crowd“) investieren kleinere Beträge in die Geschäftsidee eines Unternehmens und bekommen dafür hohe Renditen.

Diese hohen Renditen ergeben sich durch das hohe Risiko, dass der Investor trägt. Denn, geht die Sache schief, verliert er sein ganzes Geld.

Achtung: Aufgrund des Risikos eines Totalausfalls solltest du immer nur einen kleinen Teil deines Vermögens in Crowdinvesting-Projekte stecken und auf eine ausreichende Streuung achten.

Welche Arten gibt es?

Insgesamt wird zwischen vier verschiedenen Arten unterschieden. Als Investor sind jedoch nur zwei von Bedeutung. Zur Vereinfachung habe ich dir die verschiedenen Arten in folgender Grafik dargestellt:

Kreditbasiertes Crowdfunding

Das Geld der Crowd wird als nachrangiges Darlehen an das Unternehmen weitergegeben.

Das Darlehen der Crowd, auch „Mezzaninkapital“ genannt, wird als Eigenkapital gewertet. Das heißt, die Eigenkapitalquote des Unternehmens steigt.

Dadurch ist es für das Unternehmen möglich, einen günstigeren Kredit von der Bank zu bekommen.

Für das investierte Kapital bekommst du als Invstor einen gewissen Prozentsatz als Verzinsung.

Laufzeit und Zinssatz werden je nach Projekt unterschiedlich vereinbart. Je höher das Risiko des Kapitalverlustes, desto höher ist der Zinssatz.

Meist kann man schon ab wenigen 100 € in Crowdinvesting-Unternehmen investieren.

Kreditbasiertes Crowdfunding kann zwischen Privatpersonen („Peer-to-peer-Lending“ kurz P2P-Kredite) oder von Privatpersonen an Unternehmen („Peer-to-business-Lending“ kurz P2B-Kredite) erfolgen.

Beispiel: Ein Unternehmen, dass es schon einige Jahre stabile Umsätze generiert, möchte ein neues Produkt auf den Markt bringen.

Um einen günstigen Bankkredit zu erhalten, verlangt die Bank eine Eigenkapitalquote von mindestens 25 Prozent, die das Unternehmen derzeit nicht hat.

Nun startet das Unternehmen eine Crowdfunding-Kampagne und holt sich so ein Darlehen von der Crowd.

Dieses wird nach einer vereinbarten Laufzeit verzinst zurück bezahlt.

Da das Unternehmen das Kapital der Crowd als Eigenkapital verbuchen kann und so die Eigenkapitalquote erhöht, bekommt es einen günstigeren Bankkredit.

Eigenkapitalbasiertes Crowdfunding

Hier investierst du in Start Ups oder Klein- und Mittelunternehmen und erhältst im Gegenzug Anteile an einem Unternehmen. Du wirst also Miteigentümer.

Somit bist du am Gewinn/Verlust oder an einer möglichen Steigerung des Unternehmenswertes anteilsmäßig beteiligt.

Um das Risiko zu streuen, niemals in nur ein Projekt investieren, sondern das Geld auf mehrere Projekte verteilen.

Durch die Streuung deines Kapitals minderst du das Risiko. Steckst du 3.000 € in ein Start Up und es geht pleite, ist das ganze Geld weg.

Investierst du dein Geld in 10 Projekte zu je € 300 kann es zwar immer noch passieren, dass ein Projekt scheitert.

Du verlierst dann aber nur 300 € anstatt 3.000 €. In viele Projekte und Ideen kann man bereits ab wenigen hundert Euro investieren.

Beispiel: Ein Start Up, das bereits erste Umsätze generiert, möchte weiter wachsen und neue Märkte erschließen.

Das Unternehmen entschließt sich, eine Crowdfunding-Kampagne zu starten um an neues Kapital zu kommen.

Als Gegenleistung für das Kapital der Crowd bietet das Start Up den Investoren eine Beteiligung am steigenden Unternehmenswert und am jährlichen Gewinn.

Entpuppt sich dieses Start Up als das nächste Facebook und du bist beteiligt, kannst du dich über riesige Gewinne freuen.

Schenkungsbasiertes Crowdfunding

Sie ist die einfachste Form vom Crowdfunding. Diese Geldbeträge werden als reine Spende gesehen.

Es geht vorallem darum, Projekte aus der Kreativ- und Kulturszene zu unterstützen.

Auch Projekte, die einem guten Zweck dienen, greifen auf schenkungsbasiertes Crowdfunding zurück.

Oftmals wären diese Projekte ohne eine solche Finanzierung nicht möglich.

Es gibt keine oder nur geringe Gegenleistungen. Als Spender wirst du lediglich auf dem Laufenden gehalten, was mit dem gespendetem Geld geschieht.

Beispiel: Für eine Mädchen-Schule in Afrika werden durch einen Verein Spendengelder gesammelt.

Vergütungsbasiertes Crowdfunding

Beim vergütungsbasierten Crowdfunding spendet man ebenfalls einen Betrag.

Der Unterschied zum schenkungsbasierten Crowdfunding ist aber, dass der Spender eine kleine Aufmerksamkeit erhält.

Beispiel: Du unterstützt eine CD-Produktion mit einem Geldbetrag und erhältst dafür eine fertige CD.

Welche gesetzlichen Rahmenbedingungen sind zu beachten?

Seit 2015 gibt es in Österreich das Alternativfinanzierungsgesetz (AltFG). In diesem Gesetz ist das Thema Crowdinvesting geregelt. In Deutschland ist es das Kleinanlegerschutzgesetz.

Du als Investor unterliegst somit dem Gesetz deines Heimatlandes.

In diesem ist unter anderem geregelt, wie viel Kapital du pro Projekt investieren kannst.

In Östereich beispielsweise darfst du als Privatperson maximal 5.000 € pro Projekt und Jahr investieren.

Als Investor hast du auch bestimmte Informationspflichten.

Das heißt, du musst dich auf der jeweiligen Onlineplattform anmelden und identifizieren.

Im Gegenzug hast du das Recht, Informationen zum Unternehmen, in das du investieren möchtest, einzuholen.

Wie funktioniert Crowdinvesting?

Wenn du in ein Crowdinvesting-Projekt investieren willst, musst du dich auf einer Onlineplattform registrieren. Dort sind verschiedene Projekte aufgelistet.

Zu jedem Projekt findest du Anlegerinformationen, Geschäftspläne und Jahresabschlüsse.

Es wird auch erklärt, wofür das Geld der Crowd verwendet wird.

Laufzeit

Die einzelnen Projekte haben eine Laufzeit von 6-8 Wochen.

Das heißt, in dieser Zeit kann investiert werden. Wird das Finanzierungsziel innerhalb dieser Zeit nicht erreicht, kommt die Finanzierung nicht zustande.

Fundingschwelle und Fundinglimit

Des Weiteren gibt es bei jedem Projekt eine Fundingschwelle und ein Fundinglimit.

Fundingschwelle ist die Mindestsumme, die das Projekt erreichen muss, damit eine Finanzierung überhaupt zustande kommt.

Wird diese Minimum-Schwelle nicht erreicht, wird das gesammelte Kapital an die Investoren 1:1 zurückbezahlt.

Im Gegensatz zur Fundingsschwelle ist das Fundingslimit der Höchstbetrag, denn ein Projekt erreichen kann.

Bis zum Fundinglimit kann investiert werden. Ist dieser Betrag erreicht, schließt die Crowdinvesting-Kampagne.

Wer dann zu lange gewartet hat, hat Pech gehabt und vielleicht eine gute Investitionschance verpasst.

 

In diesem Beitrag ging es um die Grundlagen des Crowinvestings. Im nächsten Artikel werde ich dir die verschiedenen Plattformen vorstellen und die Vor- und Nachteile des Crowdinvestings beleuchten.


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2 Comments on “Crowdinvesting in Österreich: Was ist das und wie funktioniert es?”

  1. Toller Beitrag! Alle wichtigen Infos schön kompakt auf den Punkt gebracht. Vielen lieben Dank dafür!

    Ich suche immer nach neuen, alternativen Möglichkeiten um mein Geld zu streuen und zu investieren. Vor allem, wenn man damit Projekte unterstützen kann, die einen echten Mehrwert haben, ist das doch ein tolles Gefühl.

    Werde mich mal nach diesem Beitrag noch ein wenig mehr in die Thematik einlesen und ein mir schönes und interessantes Crowdinvesting-Projekt suchen.

    Werde Dir dann mal berichten, wie es lief ;-)

    Viele Grüße
    Margarethe

    1. Hallo Margarethe,
      dankeschön. Das war nur mal der erste Teil, da kommt noch mehr;-)

      Ich werde in einem Teil auch auf die Projekte eingehen, die ich bisher gewählt und in die ich investiert habe.
      Lass mich auf alle Fälle wissen, wie es bei dir läuft.

      Beste Grüße
      Manuela

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